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Musical Magazin - Berichte - Film - Theater - Oper Schweiz - Imscheinwerfer.ch

Opera / Klassik (32)

Experimentelle Musik, Klassik, leichte Unterhaltung, Oper, Operette sowie Tanz, Ballett

Sieben Wochen vor der Oscar-Verleihung hat die Musical-Romanze „La La Land“ bei den Golden Globes sieben Preise abgeräumt - das ist neuer Rekord. Die Vater-Tochter-Geschichte „Toni Erdmann“ der deutschen Regisseurin Maren Ade mit dem österreichischen Schauspieler Peter Simonischek in einer Hauptrolle ging in der Kategorie „bester nicht-englischsprachiger Film“ leer aus.

The nominations for the 89th Academy Awards were announced on Tuesday morning and as expected, "La La Land" danced away with a bunch.

The romantic musical picked up 14 Oscar nominations, tying the record held by "All About Eve" and "Titanic." The coming-of-age tale "Moonlight" and sci-fi thriller "Arrival" both received eight nominations.

Sunday, 01 November 2015 00:00

LA BOHÈME, Zürich 01.11.2015

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Kritik:

Resigniert legt Rodolfo im vierten Bild die Feder weg, resigniert wirft Marcello seinen Pinsel weg nachdem (in dieser um sieben Ecken herum konzipierten Theater auf dem Theater Inszenierung) ihr Stück einen Theaterflop hingelegt hat. Von einem Flop dieser Neuproduktion am Opernhaus Zürich zu sprechen, wäre vielleicht ein bisschen zu stark, allerdings kann man auch nicht so vorbelhaltlos in Jubel ausbrechen, wie das ein grosser Teil des Premiernpublikums getan tat. Szenisch wurde viel Aufwand betrieben (mit eher bescheidenem Resultat), die komischen Seiten des Librettos betonend - was völlig auf der Strecke blieb, war das eigentliche Drama. Musikalisch bleibt noch Luft nach oben.

Sunday, 18 October 2015 00:00

LE PROPHÈTE. Karlsruhe 18.10.2015

Written by in Opera / Klassik

Kritik:

Sie waren einst die reinsten „Strassenfeger“, die Grand Opéras von Giacomo Meyerbeer. Im 20. Jahrhundert fristeten sie aus verschiedenen Gründen ein Mauerblümchen-Dasein. Nun scheint sich eine Renaissance dieser Werke und dieses wichtigen Komponisten anzubahnen – und das ist gut so. Das Badische Staatstheater Karlsruhe jedenfalls hat mit der gestrigen,zu Recht heftig applaudierten und bejubelten Premiere jedenfalls einen enorm wichtigen Beitrag dazu geleistet.

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Saturday, 17 October 2015 00:00

MACBETH St.Gallen 17.10.2015

Written by in Opera / Klassik

Kritik:

Wie inszeniert man eine plausible Hexenszene, wenn man die Handlung von Verdis MACBETH aus dem quasi heidnischen schottischen Hochland des 11. Jahrhunderts in einen „Führerbunker“ irgendwo in Grossbritannien gegen Ende des zweiten Weltkriegs verlegt? Ganz einfach, man macht die Sekretärinnen, Funkerinnen, die Tippsen an ihren Schreibmaschinen und Dechiffriergeräten zu Wahrsagerinnen, denn sie sitzen ja an den Quellen der Information. Wenn man dann Macbeth und Banquo auch noch beschwipst auftreten lässt, sind den Sekretärinnen flugs auch schon Bärte gewachsen.

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Monday, 14 September 2015 00:00

EUGEN ONEGIN, 12.09.2015 St. Gallen

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Kritik:

Tschaikowskys EUGEN ONEGIN ist sicher seine persönlichste Oper, geprägt von einer Phase der inneren Zerrissenheit im Leben des Komponisten, unerfüllten Sehnsüchten, Weltschmerz, dem Gefühl am falschen Platz zu sein. Als empfindsamer Künstler hat er die Vorlage Puschkins mit unnachahmlicher Sensibilität in seinen lyrischen Szenen verarbeitet. Bereits das so wunderbar weich und stimmungsvoll dahinfliessende, kurze Vorspiel öffnet die Ohren für die tief empfundene musikalische Seelenlandschaft. In diesen wenigen Takten ist viel motivisches Material exponiert, welches im Verlauf des Werks durch die subtile Verarbeitung immer wieder aufscheint. Das Sinfonieorchester St.Gallen trift diesen elegischen, von Melancholie geprägten Ton mit grosser Akkuratesse. Otto Tausk gelingt es mit seinem einfühlsamen Dirigat vortrefflich, diesen melancholischen Ton über den ganzen Abend beizubehalten, ihn durch zügige Tempi und sehr schön herausgearbeitete Transparenz des Klangs nie in Larmoyanz oder Kitsch abgleiten zu lassen. Auch die wenigen Anklänge an die grosse Oper (die Ballszenen auf dem Landgut und in St.Petersburg, die Chöre und Tänze der Landarbeiter) erklingen mit feinem Gespür für das richtige Mass und ohne aufgeblasene Bombastik. Die jungen, frischen Stimmen der Sängerinnen und Sänger tragen viel dazu bei, dass Tschaikowskys Seelendrama zumindest musikalisch mit berührender Glaubhaftigkeit erklingt.

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Monday, 14 September 2015 00:00

WOZZECK, 13.09.2015 Zürich

Written by in Opera / Klassik

... und es gibt sie also doch noch, diese magischen Momente des Musiktheaters, diese Abende in der Oper, bei denen einfach alles stimmt, bei denen Text, Musik, Sängerinnen und Sänger, Orchester, Dirigent, optische und szenische Umsetzung, inklusive der Technik und des Lichts, eine Einheit bilden, alle involvierten Künste bruchlos zueinander finden, berühren, bewegen, ergreifen: Diese Neuproduktion von Alban Bergs WOZZECK am Opernhaus Zürich ist ein solches Ereignis! Eine Aufführung, welche man sich besser, exemplarischer kaum vorstellen kann, eine Produktion, die in sich dermassen stimmig ist, dass sie die Qualitäten zur Referenzaufführung dieses Werkes in sich birgt!

Kritik:

Wie in einer alptraumhaften Karussellfahrt spult sich Giuliettas Leben während der von der Philharmonie Zürich rasant gespielten Ouvertüre vor ihrem inneren Auge ab. Ein beklemmender Einstieg in Bellinis relativ selten auf der Opernbühne anzutreffende lyrische Tragödie ist hier dem Inszenierungsteam (Regie: Christof Loy, Bühne und Kostüme: Christian Schmidt) gelungen. Denn diese Rückblende erklärt die beinahe unverständliche Passivität Giuliettas während der Oper, ihre Bindung zum Vater (von dem sie als Kind missbraucht wurde), ihre Angst und ihre Abneigung gegenüber  körperlicher Nähe. Loy schlägt mit dieser Auslegung einen Bogen zum Fall Kampusch und auch zum sogenannten Stockholm-Syndrom, bei welchem die Opfer (und als solches wird Giulietta hier dargestellt) unter einer Wahrnehmungsverzerrung leiden. Bellinis doch ziemlich schmissig und fröhlich daherkommende Ouvertüre, die eigentlich gar nicht so recht zum tragischen Stoff passen will, erhält durch diese szenische Auslegung einen Zug ins Groteske. Die vor der Räumung stehende Villa der Capuleti mit ihren schmucklosen, vergilbten Wänden und der dunklen Holztäfelung welche Christian Schmidt auf die Drehbühne gestellt hat, tut ein Übriges, um die depressive seelische Verfassung Giuliettas zu erklären. Ein androgynes, amorphes Wesen (mit unheimlicher Präsenz: Giorgij Puchalski) dient als Begleiter, Orakel und Führer, als schwarzer Todesengel, aber auch als Projektion des Traumprinzen, eine Art schwarzer Lohengrin.

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Kritik: 

Düster und bedrohlich dräuten sich die dunkeln Wolken während des ganzen Tages über den St.Galler Himmel an diesem kühlen Junitag und lange Zeit befürchtete man, dass die Aufführung vom Klosterhof ins Theater verlegt werden müsste. Doch dem war nicht so – einmal mehr blieb der Platz mit der magischen Ausstrahlung von Schauern und Platzregen verschont und das Premierenpublikum kam in den Genuss einer atmosphärisch ungemein dichten und musikalisch begeisternden Aufführung von Verdis Frühwerk I DUE FOSCARI. Nur schon das Bühnenbild, welches Rifail Ajdarpasic vor die Barockfassade der Klosterkirche gestellt hat, ist geradezu spektakulär: Ein riesiges Wasserbecken mit venezianischen Gondeln, gesäumt von Treppen, Brücken und Stegen, dahinter ein gigantischer Kubus mit bedrohlich abweisenden Eisentoren, hinter denen der mächtige und mit undurchsichtigen Mitteln agierende und mysteriöse Rat der Zehn im rot-goldenen Saal seine geheimen Sitzungen und Gerichtsverhandlungen abhält. Der aus den Kanälen aufsteigende Modergeruch ist geradezu allgegenwärtig, auch und vor allem im übertragenen Sinne. Etwas ist faul im Staate Venedig – und in der Politik im Allgemeinen. Guido Petzold hat diese unheimliche Szenerie mit präzise akzentuierenden Lichteffekten versehen, scharfe und kalte Scheinwerfer durchschneiden die aufsteigenden Nebelschwaden, bringen mal einen Umhang eines Gondoliere silbern zum Leuchten, schaffen starke schwarz-weiss Kontraste, welche atmosphärisch an einen Film Noir gemahnen, führen das Auge zu den zentralen Szenen, lassen die Bauten und Menschen auf der glatten Wasseroberfläche spiegeln oder die Wellen bedrohlich an den Fassaden der umliegenden Gebäude glitzern. Nur in der Kerkerszene, wenn sich Lucrezia auf einer zweiten Gondel der Kerkergondel ihres Gemahls nähert und ihn aus seinen Schreckensvisionen in die Realität zurückholt, wird das Licht wärmer. Die Intrige greift um sich, infiltriert alle und alles. Regisseur Carlos Wagner und die Kostümdesignerin Ariane Isabell Unfried holen die Handlung aus dem 15. Jahrhundert näher an das 21. Jahrhundert heran, verleihen ihr damit eine stringente Allgemeingültigkeit. Deutlich werden die Oberschicht und das gemeine Volk voneinander abgehoben: Während sich die Mächtigen und Reichen in smarten Anzügen und oft mit Designerklamotten und Sonnenbrillen ausgestattet oben auf den Treppen tummeln, muss das Volk (mit Waders ausgestattet) durch das modrige Wasser waten, durch düstere Gänge auf- und abtreten. Der Zugang zu den prunkvollen Treppen wird ihnen mit Gewalt verwehrt. Mit panem et circenses wird das Volk bei Laune gehalten (3. Akt) und wenn dann Loredano und Barbarigo den armen Fischern das Brot tatsächlich noch zuwerfen, mag das etwas gar plakativ erscheinen, doch wird so die unsägliche Verachtung, welche die Oberschicht gegenüber den mittellosen Arbeitern empfindet, evident.

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