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Kurzinterview mit Patric Scott und Tino Andrea Honegger

Tuesday, 10 August 2010 01:00 Written by  Text&Fotos: Andreas Isenegger

Du bist nun das wievielte Mal in Walenstadt?

Ich bin nun das fünfte Mal hier, viermal in «Heidi» als Geissenpeter und nun als Anselmo in «Die Schwarzen Brüder».

Wie ist es mit den beiden Alp-Öhis (Florian Schneider, Christoph Wettstein) hinter der Bühne? Bist du noch immer der kleine Geissenpeter für sie und wirst «erzogen»?

Nein, aber es ist ja schon Pflicht das Florian Schneider und ich neben einander sitzen. Seit Heidi sind wir beide gut befreundet und ein «erziehen» im Sinne von Ärgern oder Necken ist es nicht. Aber ich frage Florian schon ab und zu berufliche Sachen, wie er dies oder jenes sieht oder spielen würde. Ich freue mich, von seiner ungeheuren Erfahrung und seinem Wissen profitieren zu können.

Wie bist du zu deiner Ausbildung an der Stage School in Hamburg gekommen?

Ich hatte während der Sekundarschule in Feldkirch klassischen Gesang, Celo- und Klavier-Unterricht. Ich habe die Prüfung ans Konservatorium dort bestanden und hätte das Abitur machen können. Kurz darauf habe ich «just for fun» mit 14 in Hamburg einen Workshop gemacht. Da ich immer auch Schauspiel und Tanz machen wollte, bin ich mit 15 nach Hamburg gezogen. Die Bedingung mit der Schule war, das ein Elternteil in Hamburg sein musste. Meine Eltern unterstützten mich dabei, sofern ich voll dahinter bin und nicht nach einem halben Jahr sage «nö, passt mir doch nicht». Am Anfang war die Sprache noch ein Problem, aber nach einem halben Jahr empfand ich es schon als die richtige Entscheidung.

Und warum machst du eine Weiterbildung an der Lee Strasserg-Schule? Zieht es ich zum Fernsehen oder Film? Kommen weitere Schulen?

Ich habe immer von dieser Methode gehört und auch ein paar Kollegen waren in Los Angeles. Ich wollte auch mal eine Weiterbildung machen, wie es in jedem Beruf sinnvoll ist, und da kam mir die halbjährige Pause in meinen Engagements gerade gelegen. Da ging ich spontan nach LA an die Schule. Ich will auch mehr Fernsehen machen und gehe vermehrt an TV-Castings. Ich habe an der Lee Strassberg-Schule vor allem Camera-Acting geprobt. Daneben habe ich am Millennium Dance Center Tanzunterricht genommen und auch etwas Networking gemacht.

Für viele junge Leute ist es erstrebenswert, auf die Bühne zu kommen. Du hast es ja recht früh geschafft. Würdest du es heute Rückblickend nochmals tun oder was würdest du anders machen?

Die Frage wird mir oft gestellt. Im Nachhinein ist bei mir alles aufgegangen. Nach der Ausbildung kam gleich Heidi, dann Tanz der Vampire, die Rockmusik ist losgegangen und Synchronisationen. Ich mache viel nebenbei. Ich tanze auf verschiedenen Hochzeiten, aber es wird schwierig bleiben, immer mal einen Musicaljob zu bekommen. Du musst bei jeder Audition alles geben, es wird nicht immer der rote Teppich ausgerollt. Es gibt auch mal schlechtere Zeiten, wo nicht immer Job an Job kommt. Wenn man gewillt ist, dies zu tun und Talent hat, kann ich das nur jedem raten auch zu versuchen. Heute kann man, wenn es nicht funktioniert, das Abi nachholen oder eine Weiterbildung machen und wieder ins Berufsleben einsteigen.

Bei der letzten Aufführung von Joseph Anfang 2009 hatte die «Schweizer Illustrierte» und das Fernsehen ziemliches Interesse an dir. Aufsteigender Musicalstar und Musiker hiess es da. Hält der Rummel der schweizer Medien noch an?

Die Medien berichten wenn etwas da ist. Ich bin froh, das Schweizer Illustrierte oder auch Glanz&Gloria immer mal über mich berichten. Ich habe im Moment eine Auszeit genommen, weil ich vier Jahre am Stück gearbeitet habe. Gerade nach Joseph fühlte ich mich gesundheitlich nicht sehr fit und ich merkte, das ich eine Pause brauchte. Das andere sind natürlich die Berichte, welche zu einem Skandal in den Medien hochgejubelt werden wie damals mein Musikvideo «Naked». Das war ja ein riesen Thema auf der Telseite von 20 Minuten während der Spielzeit von «Heidi». Wobei ich mich nicht als Star sehe, ich bin ja noch jung. Ein Star ist zum Beispiel Florian Schneider oder Thomas Borchert, Leute die schon ewig in dem Business sind.

Vom Geissenpeter zum hinterhältigen Anselmo. Hier darfst du mal ein Fiesling sein. Welche Rolle würdest du gerne in Zukunft einmal spielen?

Man wird ja zwangsläufig in eine Schublade gesteckt, schon alleine des Äusseren wegen. Von daher ist diese Rolle interessant, da alle erwarteten, ich spiele den netten Giorgio oder Alfredo. Beim Spielen des Fieslings werde ich schauspielerisch gefordert, gesanglich leider nicht so, aber man kann nicht immer alles haben. Das Böse durch das ganze Stück hindurch spielen war schon ein Grund, warum ich die Rolle machen wollte.

Mit einem bekannten Namen in der Schweiz, warum wohnst du in Berlin?

In Deutschland bin ich eher wegen der Popmusik bekannt. Ich habe dort auch den offiziellen Organspendersong gesungen, weswegen ich auch viel Medienaufmerksamkeit hatte. Ich wohne in Berlin, weil auch das Management da ist und ich dort Synchronisationen mache.

Was machst du nach Walenstadt?

Mein neues Album kommt heraus. Ich werde auch wieder für zwei Wochen nach Los Angeles gehen um dort mit verschiedenen Leuten arbeiten. Auch habe ich viele Galas und Events wie zum Beispiel «Musical meets X-Mas» geplant. Es macht viel Spass mit Leuten eine Show zu planen und durchzuführen, mit denen ich auch schon bei einem Musical zusammen gearbeitet habe.

 

Tino Andrea Honegger

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Du hast in 2005 deine Ausbildungs als Musicaldarsteller abgeschlossen. Wie bist du an die Stage School of Music, Dance and Drama, Hamburg gekommen? Du hast in Olten gewohnt und von dort aus wäre Bern oder Zürich näher gewesen?

Ich wollte nach der Matura ursprünglich Sport und Musik studieren, habe dann aber im 2001 einen Musicalworkshop der Stage School in Frankfurt absolviert und wusste von dem Zeitpunkt an, welchen Beruf ich ausüben möchte. Ich finde einen Workshop als Aufnahmeprüfung für eine Musicalausbildung besser als eine Audition, man erhält in einer Woche einen kompakteren Eindruck, was einem in der Ausbildung erwartet. Die Stage School ist die renommierteste Musicalschule in Deutschland und Hamburg ist eine Musicalstadt. Das war für mich eine gute Mischung und die Entscheidung war klar, zudem ist es immer von Vorteil, wenn man die Ausbildung im Ausland macht.  

Du bist mit Patric Scott bei Joseph im 2008 auf Tour gewesen, warst auch an der Stage School in Hamburg mit ihm, singst mit ihm an vielen Galas, wohnst wie er auch in Berlin und spielst jetzt mit ihm in Walenstadt «Die Schwarzen Brüder». Habt ihr auch neben der Bühne miteinander zu tun?

Ich bin mit Patric Scott seit bald 10 Jahren befreundet. Wir organisieren zusammen jedes Jahr Events, im Dezember zum Beispiel die Musicalgala «Musical meets X-Mas» und freuen uns auch immer wieder, wenn wir auch in einer Produktion zusammen spielen. Patric und ich ergänzen uns perfekt. Wir verstehen uns blind und die Arbeit ist trotz langer Freundschaft konzentriert und effektiv. 

Welche Rolle hast du hier in Walenstadt und wie bist du zur Rolle gekommen? Wie muss sich der Leser das Vorstellen wie eine Audition abläuft?

Ich spiele in Walenstadt fünf verschiedene Rollen. Ich habe in der Welturaufführung in Schaffhausen die Rolle der «Katze» gespielt und bin froh, daß ich mal andere Rollen spielen darf. Um an eine Rolle zu kommen, muss man immer vorsingen. Man singt meistens ein bis zwei Songs vor und spielt einen kurzen Schauspiel-Monolog. Danach entscheidet das Kreativteam, ob man Vortanzen muss oder nicht. Bei grösseren Rollen kann es auch vorkommen, dass der Regisseur mit dem Darsteller an bestimmten Szenen oder an der Rolle arbeitet. Bei Auditions entscheiden nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch, ob man in die Rolle passt. 

Was ist deine Wunschrolle? Gibt es etwas, das du von klein auf spielen möchtest?

Ich war als kleiner Junge immer vom Musical «Les Miserables» begeistert und es steht immer noch auf meiner Wunschliste. Jede Rolle hat seinen Reiz, aber ich mag Rollen, die eine Wandlung und emotionale Wendepunkte beinhalten. Prinzipiell ist jede Rolle eine Herausforderung, aber es kommt immer darauf an, was man aus der Rolle macht. 

Welches ist deine nächste Rolle? Hast du schon ein Engagement in einem weiteren Musical? Nach dem verregneten Sommer nie mehr Openair?

Ich werde ab August in Liechtenstein die Rolle des Kenickies im Musical «Grease» spielen. Ich freue mich darauf, denn das Stück rockt. Für nächstes Jahr sind auch schon Projekte in Planung, aber nach «Grease» werde ich erstmals mit Patric Scott einen Musicalworkshop auf Ibiza geben und mich dann auf die erwähnte Musicalgala konzentrieren. Ich würde gerne wieder Openair spielen. Obwohl die Verletzungsgefahr bei Regen erhöht ist, hatte ich bei Regen in Walenstadt immer Spass beim Spielen. Für «Die Schwarzen Brüder» ist es sogar manchmal besser, wenn im mailänder Winter nicht gerade 40 Grad ist (lacht).

 

ImScheinwerfer dankt den beiden Wahlberlinern für das Interview.  

Last modified on Tuesday, 10 August 2010 20:35
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