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Kurzinterview mit Bernhard Viktorin und Janko Danailow

Sunday, 08 August 2010 22:39 Written by  Text&Fotos: Andreas Isenegger

Du kommst aus Wien und hast dort ein Musicalstudium am Konservatorium in der Abteilung musikalisches Unterhaltungstheater abgeschlossen. Ist dies dort eine vollwertige Ausbildung und was muss ich mir unter «Musikalischem Unterhaltungstheater» vorstellen?

Ja, es ist ein vollwertiges Studium und geht vier Jahre lang. Am Ende steht ein Bachelor-Abschluss. Musikalisches Unterhaltungstheater heisst es deshalb, weil es nicht ein reines Studium für Musicals ist. Man schnuppert in diverse Sparten des Theaters hinein und sieht nicht nur die Welt des Musicals. So muss jeder Student während seiner Ausbildung bei mindestens zwei Operettenproduktionen mitwirken.

Du hast beim ORF in einer Casting-Show mitgemacht. Ist es nicht gefährlich am Anfang seiner Karriere gleich ein landesweites Schaufenster zu wählen, welches auf Sensationen und Emotionen aus ist?

Die Show «Musical-Die Show» war speziell auf den Bereich Musical ausgerichtet und nicht zu vergleichen mit «Deutschland sucht den Superstar» oder ähnlichem. Ich war gerade mit der Ausbildung fertig und bin dort kurzfristig reingerutscht. Ich habe es als Auditiontraining und Chance genutzt, um bekannter zu werden. Auch lernt man hinter den Kulissen sehr viel Neues dazu und wird mit vielen extremen Situationen konfrontiert. Dies hat mir für meinen weiteren beruflichen Werdegang viel gebracht und man erhält einen ganz anderen Blick für einge Probleme bei Produktion. Bei den Theatern habe ich dieses auch immer wieder Backstage oder in der Vorbereitung erlebt, nur das es beim Fernsehen einiges intensiver ist und man dort schon gefordert, geeicht und vorbereitet wird.

Du spielst noch relativ viele Rollen in der Schweiz. Du hast bei allen drei Aufführungen hier von Heidi mitgemacht und warst danach Kriens und in Thun zu sehen. Was gefällt dir an der Schweiz und speziell an Seebühnen?

Speziell daran gefällt mir, das ich hier immer wieder engagiert werde und die Auditions erfolgreich sind. Die Seebühnen sind natürlich etwas ganz spezielles und werden es für mich auch immer bleiben. Heidi damals war meine allererste Audition die erfolgreich war. Es hat mir die Augen geöffnet. Ich war damals im zweiten Ausbildungsjahr und es ging raus aus der Schule und rein in einen Profibetrieb. Dann kam die Wiederaufnahme und der zweite Teil von Heidi und dann Thun und Kriens. Nun schliesst sich der Kreis und ich stehe wieder hier in Walenstadt auf der Bühne, vom kleinen Ensembledarsteller nun zur Hauptrolle. Es ist ein toller Werdegang, den ich hier in der Schweiz erleben durfte.

Hier in Walenstadt spielst du die Hauptrolle als Giorgio. Ist es schwierig für dich, die tragende Rolle zu spielen? Etwas überspitzt gesagt hängt an dir der Erfolg des Stückes?

Dies würde ich nicht so sagen. Giorgio ist vor allem die Hauptfigur, weil er der Knotenpunkt zu allen anderen Figuren im Stück ist. Er lernt jede andere Person auf der Bühne kennen und es dreht sich mit ihm aber nicht immer um ihn. Es dreht sich auch sehr vieles um Alfredo, um Luini oder die Familie Rossi, aber er ist überall dabei. Ich bin sehr abhängig von meinen Kollegen und ob ich oder einer meiner Kollegen einen schlechten Tag hat wird gleichermassen auffallen.

Hat es Platz für Improvisationen?

Nein, dafür ist das Stück zu tragisch. Es geht hier sehr um die Geschichte, die Personen und die Leidenswege, welche jede durchmacht. Deshalb bleibt man doch da, wie es geschrieben oder geprobt wurde. Natürlich ergeben sich immer wieder neue Situationen, wenn zum Beispiel Luini dich anders ansieht und ein anderes Gefühl dabei entsteht, das ist gerade das Spannende an solchen Produktionen.

Was sind deine nächsten Projekte? Gibt es ein Musical, welches du gerne mal spielen würdest?

Ich gehe im September zurück nach Wien und drehe noch Folgen fürs ORF-Kinderfernsehen (Freddys Freunde) und ab Oktober spiele ich bei Sister Act in Hamburg für ein gutes Jahr mit.

Dann wirst du sicherlich Whoopi Goldberg dort antreffen?

Ja, das wird spannend. Das wär schon ziemlich cool sie persönlich kennen zu lernen.

 

Janko Danailow

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Du hast an der Universität der Künste in Berlin einen Abschluss im Studiengang Musical und Show. Ist dies in Deutschland ein gleichwertige Ausbildung ähnlich der Schauspielschule?

Rein rechtlich gesehen ist es eine gleichwertige Ausbildung. Ich habe ein Diplom und ich persönlich mache keinen Unterschied entgegen meiner Kollegen vom Schauspiel oder Ballet, welche sehr wohl einen Unterschied machen.

Ist das Ansehen des Berufes des Musicaldarstellers in Deutschland besser wie in der Schweiz?

Nein, ich merke nichts davon. Es ist eher umgekehrt, ich bekomme hier in der Schweiz wesentlich mehr positives Feedback wie in Deutschland. Sie sind dort wesentlich reservierter.

Du warst zuvor am Theater in Magdeburg an der West Side Story. Das Theater verlängerte die Verträge der sechs Gastdarsteller trotz vollem Haus und anhaltendem Erfolg nicht und spielt mit der Stammbesetzung des Hauses weiter. Wie fühlt man sich in einem solchen Moment?

Das ist ein empfindliches Thema. Man fühlt sich nicht sehr gut dabei. Ich glaube, das die Produktion gerade durch die Gäste sehr gut geworden ist, man hatte eine wirklich sehr gute Besetzung. Das Theater hat sehr viel Publicity dadurch bekommen und das Stück war von vornherein ausverkauft. Ich kann es ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, aus welchen Gründen wir unsere Verträge nicht verlängert bekommen haben, obwohl das Stück ja in der nächsten Spielzeit wieder läuft. Mit der Intendantin (Karen Stone) gab es im Vorfeld schon Probleme, weil sie von Anfang an das Stück mit Opernsängern vom Haus besetzen wollte. Das Regieteam hat sich verständlicherweise geweigert (Andreas Gergen, Christian Struppeck), die West Side Story mit Opernsängern zu besetzen.

Du warst vor allem an Theater-Häusern angestellt. Macht dir die frische Luft und das schweizer Wetter auf der Openairbühne nicht zu schaffen?

Nein, im Gegenteil, es ist eher toll. Ich habe vorher schon auf Freilichtbühnen gearbeitet und wusste daher in etwa, was mich erwart. Das Wetter macht mir nicht zu schaffen, ich fühle mich gut und es ist für mich wie im bezahlten Urlaub. Ich habe eine tolle Rolle in einem tollen Stück, tolle Kollegen um mich herum und dies alles in einer wunderschönen Umgebung. Ich wohne auch mit Blick auf den See und es fühlt sich entspannter an wie in einer Inhouseproduktion.

Du stirbst als Alfredo in der ersten Hälfte, so zumindest mein Kenntnisstand anhand des Buches. Was machst du in im zweiten Akt?

Ich habe nach der Pause bis zum Schluss nochmals zwei Auftritte und darf zwei schöne Lieder singen. Ich komme als Geist wieder um den Giorgio in die Freiheit zu geleiten. Dies ist sehr schön eingebaut in das Stück.

Kanntest du die Thematik der Verdingkinder?

Nein, die Geschichte kannte ich nicht. Dies ist in der Schule in Deutschland auch kein Thema gewesen und soviel ich gehört habe, auch in der Schweiz nicht mehr. Als ich die Rolle bekommen habe, habe ich mich sehr intensiv mit dem Stoff beschäftigt und es war sehr interessant, auch Zeitzeugen zu treffen, das Buch zu lesen und im Internet zu recherchieren. Wir haben uns auch Originalschauplätze im Tessin angeschaut. Ich finde es toll, das wir mit dem Stück die Thematik wieder hervorholen.

Was sind deine nächsten Projekte nach Walenstadt?

Danach gehe ich zurück nach Berlin und arbeite an neuen Songs. Ich nehme ein Album auf und brauche noch etwas Zeit dafür.

 

ImScheinwerfer dankt den beiden Darstellern für ihre Zeit und wünscht allen Beteiligten einen trockenen August. 

 

Last modified on Monday, 09 August 2010 21:58
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