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Die Schwarzen Brüder - Swiss Made oder ein deutsches Gastspiel?

Thursday, 22 April 2010 01:00 Written by 

Da lesen wir in der Medienmitteilung über das Walensee-Musical, das am 22. Juli 2010 seine Premiere hat, "Die schwarzen Brüder neu inszeniert mit hochkarätiger Besetzung", was für ein toller Titel.

Erlauben Sie mir, ihn vollständig in Frage zu stellen. Da wäre mal, das schöne Adjektiv "hochkarätig", wie es da in meiner Seele rumort, ist doch schön, nicht? Was da hochkarätig ist, über das kann man sich bei Leibe streiten. Bspw. kaum Schweizer Darsteller bei einer Schweizer Produktion? Bekanntlich ist "Swissness" richtig "in". In den Musicals "Dällebach Kari", "Ewigi Liebi", "Die Schweizermacher", "Die Patienten" und in der tollen Inszenierung "Der kleine Horrorladen" sind tatsächlich Schweizer am Werk. Wie steht's dann aber am Walensee? 25 Rollen waren zu besetzen und stellen Sie sich vor, ein Glanzergebnis: ganze 6 durften Schweizer Musicaldarsteller für sich beanspruchen. Wirklich hochkarätig, diese Auswahl! Dass Sie mich nicht falsch verstehen, es geht hier nicht darum, auf falschen Nationalismus zu machen. Deutsche Musicaldarsteller sind durchaus gut, sind sie aber vier Mal besser als die Schweizer, haben es unsere Schweizer Musical-Jungs und Mädchen im Ausland, wo das Musical Business erheblich ausgeprägter ist, nicht schon schwer genug? Sind wir heute doch in der Situation, dass die Castings für Schweizer Produktionen in Deutschland und in Österreich stattfinden! Wäre es da nicht angebracht, wenn man allenfalls mehr Schweizern Brötchen zu verdienen geben würde, umso mehr die Inländer doch die Zeche zahlen.

1945 lobte man in der Schweiz, dass die deutschen und österreichischen Unterhaltungsgrössen den Weg hier in unsere Lande fanden, man konnte Heinz Rühmann, Hans Moser, Paul Hörbiger usw. sehen, das war nach dem Kriege. Liebe Leut am Walensee, das ist aber zwischenzeitlich vorbei. Heute haben wir einen begabten Nachwuchs, es ist nicht einzusehen, wieso man es ihnen so schwer machen muss.

Nun liest man in der Medienmitteilung Holger Hauer, der Regisseur der Neuinszenierung der Schwarzen Brüder auf der Walenseebühne, stelle sein Team gleich selbst vor; da ist man stolz auf ihn und wen bringt er mit, lauter Nicht-Schweizer ausser einem, als ob wir hier nicht noch ein paar fähige Einheimische hätten, die was leisten könnten. Wo ist denn die Sensibilität geblieben, da haben einige etwas wirklich nicht kapiert.

Ich hatte in den letzten Wochen eine Diskussion, ob ein Musical, in welchem die Musicaldarsteller nur die Lippen bewegen, nicht singen und alles andere Playback war, den Titel Musical verdient hat. Ich schwankte und war eher der Meinung "nein". Liebe User, Hand aufs schweizerische und auch ausländische Herz: Ist eine Produktion mit 80% Ausländern noch ein Schweizer Musical?

Die schwarzen Brüder waren schon einmal aus anderen Gründen ein Flop. Es ist den Machern zu wünschen, dass sie in der Aufbereitung des Stoffes eine glücklichere Hand haben, als mit dem Casting. Auf jeden Fall ist diese Auswahl keine gute Wahl. Jahrzehntelang war der Stau am Walensee, ich meine den Verkehrsstau, in aller Munde. Dies führte sogar dazu, dass das Trio Eugster dem Walensee den Beinamen Qualensee verlieh. Musikalisch scheint nun der Stau am Walensee wieder zurück, zumindest ist der Begriff aber nicht verkehrtechnisch zu verstehen, sondern er bezieht sich auf die Hirnströme.

PS: Es geht hier nicht um ein SVP-Anliegen, es geht auch nicht um Quoten. Man sollte aber so sensibel sein, Schweizer Anliegen zu fördern, wenn man sie fördern kann. Diese Art von geistigem Stau zeigt, dass man partiell jede Bodenhaftung verloren hat. Das Ganze tut mir leid und ist ein schlechter Start. Es zeigt, dass man jede Verbindung zur Schweizer Musicalszene und den Problemen von Schweizer Musicaldarstellern verloren hat.

Last modified on Saturday, 01 May 2010 22:18
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